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Per Zufall stolperte ich über einen extrem sehenswerten Wikinger-Kurzfilm bei Youtube, den ich allen Wikinger-Interessierten unbedingt ans Herz legen möchte.

"The Last Viking" ist schon einige Jahre älter und stellt ein Kammerspiel zwischen dem norwegischen König Haraldr Sigurðarson harðráði - dem "letzten Wikingerkönig" und Odin höchstpersönlich dar. In einem schauspielerisch brilliant vorgetragenen fesselnden Monolog im Stile der Werke Shakespeares erzählt König Haraldr von seinem Leben, seinen Taten und Reisen und nicht zuletzt auch von seinem Tod in der Schlacht von Stamford Bridge 1066, bevor sein stiller Zuhörer ihn persönlich ins Jenseits geleitet. Die Handlung des Filmes ist überschaubar (und über ein paar der Requisiten muss man geflissentlich hinwegsehen), aber dennoch vermag er durch die so eindrucksvoll dargebrachte Lebensgeschichte Haralds zu fesseln; durch die Dramatik der Worte und die Atmosphäre vermittelt er einen Eindruck davon, was es bedeutet haben mag, in der Wikingerzeit dem ewigen Kampf ums Überleben ausgesetzt gewesen zu sein, abseits der Hochglanzromantisierung in den sonst üblichen Medien.

Am 1. November wurde das Wikinger Museum Haithabu 40 Jahre alt. Diesen Geburtstag haben wir nicht nur bei der jährlichen Herbstmesse am letzten Oktoberwochenende im Museum gefeiert, nun erschien eine Würdigung auch noch mit einer Reportage im 'Schleswig-Holstein Magazin' am 30.11.2025. Diese Reportage ist sicherlich einzigartig, da in ihr drei Generationen des Museums zu Wort kommen; Kurt Schietzel, Ausgräber von Haithabu und Gründer des Museums, Ute Drews, die das Museum in ihren 30 Jahren als Leiterin zu diesem erfolgreichen Vorzeigemuseum gemacht hat, und ich als aktueller Leiter.

Am kommenden Montag, dem 10.11.2025, darf ich an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Rahmen der Ringvorlesung "Der Norden und der Osten: Sprache, Literatur und Kultur im nördlichen Ostseeraum" eine Gastvorlesung zu dem Thema "Í austrvegi. Birka, Byzanz und die Ethnogenese der Kiewer Rus" halten.

Der Vortrag beginnt um 18 Uhr und findet hybrid im Audimax, Hörsaal K, Christian-Albrechts-Platz 2 in Kiel statt; eine Online-Teilnahme ist mittels Anmeldung per Mail >hier< möglich.

Die richtige Ernährung liegt voll im Trend; viele Menschen kaufen gezielt ökologische, regionale und nachhaltige Lebensmittel, ernähren sich vegetarisch oder vegan folgen einem der vielen anderen Ernährungstrends, die ein gesundes Leben versprechen. Aber wie war das in der Wikingerzeit? Was aßen die Menschen in Haithabu?

Anders als in den populären Darstellungen in den Medien kam Fleisch bei den meisten Menschen in der Wikingerzeit nur sehr selten auf den Tisch. Grundlage der Ernährung war Getreide, wie Gerste, Roggen und in Haithabu auch Hirse und sogar etwas Weizen, das man entweder als Brei aß oder aus dem man Fladenbrot buk. Daneben spielte in Haithabu ebenso wie in vermutlich allen küstennah gelegenen Siedlungen im Skandinavien der Wikingerzeit der Fischfang eine große Rolle. Schon der arabische Reisende Ibrahim ibn Yakub, der Mitte des 10. Jh. Haithabu besuchte, schrieb davon, dass die Menschen dort sich viel von Fisch ernährten. Die archäozoologischen Untersuchungen an den Tierresten aus Siedlung und Hafenbereich von Haithabu zeigen, dass Hering der häufigste Speisefisch war, gefolgt von Barsch, Hecht, Karpfen und Plattfischen. Auch wenn man Wildfrüchte sammelte, so wurde – zumindest in Haithabu – den archäozoologischen Befunden nach kaum zur Nahrungsversorgung gejagt. Knochen von Wildtieren wie Rothirsch, Reh, Wildschwein und Wildvögel waren in den Speiseabfällen selten. Neben Hühnern, die man sicherlich hauptsächlich wegen ihrer Eier und Federn hielt, wurde vor allem Schweine und Rinder für den Verzehr geschlachtet. Schafe und Ziegen hielt man in erster Linie wegen ihrer Milch und dem Fell bzw. Leder, gegessen wurden sie aber auch. Während Getreide und Rindfleisch aus dem Hinterland stammten, konnten Schweine, Hühner, Schafe und Ziegen auch im dicht besiedelten Haithabu gehalten werden. Einige Hausparzellen in Haithabu wiesen auf ihrer rückwärtigen Seite kleine unbebaute Bereiche auf, die man möglicherweise als kleine Gärten für die Selbstversorgung nutzte und in denen Pferdebohne, Lein und möglicherweise auch Rüben angebaut wurden.

Am 10. September begann die voraussichtlich letzte Reise des berühmten Oseberg-Schiffes. Nach mehr als zehn Jahren Planung wurde das vermutlich schönste und am besten erhaltene Wikingerschiff der Welt aus dem alten Vikingskipshuset auf Bygdøy, Oslo, in die neuen Räumlichkeiten des angeschlossenen neuen Vikingtidsmuseet transportiert. Ein Video des Umzuges im Zeitraffer findet Ihr >hier<. In dem Erweiterungsbau, der sich ringförmig an das alte, 1926 errichtete und fast wie eine Kirche wirkende Museumsgebäude anschließt, soll voraussichtlich 2027 die größte und modernste Ausstellung zur Wikingerzeit sowie ein eigenes Forschungszentrum eröffnet werden.

Das Osebergschiff im Vikingskipshuset auf Bygdøy, Ende der 1920er Jahre.
© UiO – Museum of Cultural History, University of Oslo (CfO0856A); CC BY-SA 4.0

Das alte Vikingskipshuset wurde 1926 auf Betreiben des – zu dem Zeitpunkt allerdings tragischerweise bereits verstorbenen – schwedischen Archäologen und Ausgräber des Oseberg-Schiffes, Gabriel Gustafson, errichtet. Mit dem Oseberg-Schiff, dem Gokstad-Schiff und dem kleineren Schiff von Tune beherbergte das Vikingskipshuset die drei am besten erhaltenen und berühmtesten Wikingerschiffe (>hier< könnt Ihr einen letzten virtuellen Rundgang um das Oseberg-Schiff in der alten Ausstellung machen). Mehr zu Gabriel Gustafson, dem tragischen Pionier der schwedischen und norwegischen Archäologie und der ersten Reise des Oseberg-Schiffes nach Bygdøy vor genau 99 Jahren findet Ihr >hier< und einen Artikel von mir zu den beiden Schiffsgräbern von Gokstad und Oseberg könnt Ihr >hier< lesen.

Das benachbarte Gokstad-Schiff soll Anfang November folgen.

Mehr zum neuen Vikingtidsmuseet findet Ihr auf der Webseite der Universitetet i Oslo.

Im Laufe der Wikingerzeit etablierte sich von Skandinavien aus ein Handelsnetzwerk, das fast die gesamte damals bekannte Welt umspannte; vom äußersten Nordatlantik im Westen bis in die arabische Welt im Osten. Auf ihren Reisen kamen die Skandinavier so mit Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen in Kontakt. Nahezu ebenso faszinierend wie die enormen Distanzen, die sie mit ihren Schiffen für diese Handelsreisen zurücklegten, ist ihre Fähigkeit, sich über verschiedenste Sprachgrenzen hinweg mit den Menschen anderer Kulturen auszutauschen und Handel zu betreiben. Oftmals konnte man sich vermutlich ausreichend mit Gesten verständigen und manchmal mussten Dolmetscher hinzugezogen werden, die zumindest Bruchstücke der anderen Sprache verstanden. Sicherlich werden aber auch einige der skandinavischen Händler mehr als nur eine Sprache gesprochen haben.

Schon in Haithabu, an der Südgrenze der skandinavischen Welt, wird die Verständigung nicht immer einfach gewesen sein. Die Dänen sprachen dönsk tungu, die „dänische Zunge“, wie das Altnordische, die Sprache der Wikingerzeit, genannt wurde. Zwar gab es zwei große Dialektgruppen – das Altwestnordische, das in Norwegen und Island gesprochen wurde, und das Altostnordische, das in Dänemark und Schweden gesprochen wurde – aber die Menschen in Skandinavien konnten sich untereinander ohne große Schwierigkeiten verständigen. In Haithabu wird man aber ebenso auch verschiedenste althochdeutsche Dialekte der friesischen, fränkischen und sächsischen Händler gehört haben, die Mundarten der westslawischen Stämme, Altenglisch und möglicherweise auch Latein und Arabisch. In den Sommermonaten waren die Landungsbrücken im Hafen von Haithabu sicherlich erfüllt mit einem Stimmengewirr in den unterschiedlichsten Sprachen, das eher an eine moderne Metropole denken ließe, als an die kleine beschauliche Wikingersiedlung als die Haithabu heute erscheint.

Etwa Sieben Kilometer nördlich des dänischen Aarhus, nahe des Dörfchens Lisbjerg, wurde vor wenige Wochen ein Gräberfeld der Wikingerzeit mit 30 Bestattungen entdeckt. Während das Knochenmaterial in den Gräbern bis auf wenige Fragmente und die Zähne weitestgehend vergangen war, enthielten einige Gräber reiche Beigaben, darunter auch eine in den 960er-Jahren in Haithabu geprägte Münze. Das Gräberfeld kann daher in die Zeit des berühmten dänischen Königs Harald Blauzahn in das späte 10. Jahrhundert datiert werden.

Nur wenige hundert Meter von dem Gräberfeld entfernt lag im 10. Jahrhundert der bereits seit den späten 1980er Jahren bekannte Hof Stormandsgården, der als Sitz einer lokalen Elite gedeutet wird. Die mit fast zwei Hektar Fläche beeindruckende Hofanlage war mit einer Palisade umzäunt und lag an der zentralen wikingerzeitlichen Wegstrecke, die aus dem nordöstlichen Jütland nach Aros, dem wikingerzeitlichen Vorläufer von Aarhus und eine der wichtigsten Siedlungen dieser Zeit in Dänemark, führte.

Die Funde in vielen Gräbern weisen darauf hin, dass Lisbjerg als Bestattungsplatz für den Elitensitz bei Stormandsgård gedient hat und dort die Angehörigen der herrschenden Familie beigesetzt wurden. Besonders deutlich zeigt dies ein kleines Eichenholzkästchen mit versilberte Metallbeschlägen und fein gearbeiteten Scharnieren und Verschluss aus einem Frauengrab. Röntgenaufnahmen zeigten, dass in dem Kästchen neben einer Fibel und einer silbernen Filigranperle auch Textilwerkzeug lag – eine Schere, eine Nadel und feiner Goldfaden für die Verzierung von Kleidung.

Die Funde von Lisbjerg sind ein weiteres, ebenso wichtiges wie spannendes Mosaikteilchen, das uns neues Wissen über das Hinterland der großen Siedlungen – Haithabu, Ribe, Jelling, Aros – und über das Netzwerk der Machtstrukturen im frühen dänischen Königreich liefert.

Vorletzte Woche hatte ich die Ehre und das große Vergnügen Gast und Interviewpartner in dem Videoblog 'Archaeodeath' von Prof. Howard Williams zu sein. Prof. Williams lehrt an der Universität Chester und ist sicherlich der Vorreiter in der Forschung zur 'burial archaeology', zum Umgang mit Tod und Bestattungen im europäischen Frühmittelalter. Darüber hinaus ist er enorm aktiv in der populären, medialen Vermittlung von Wissen zur Archäologie und zum Frühmittelalter. Ich schätze, dass kein anderer Wissenschaftler meine Forschung in den letzten Jahren so geprägt hat, wie er. Daher war es für mich ein persönliches Highlight, mit ihm über die Archäologie der Wikingerzeit, Gotland im Speziellen und auch das heutige populäre "Nachleben" der Wikinger, das 21st-Century-Viking-Age zu sprechen.

In der aktuellen Ausgabe widmet sich der Podcast von 'Terra X History' unter dem Titel "Wikinger – Mythos und Wahrheit" der skandinavischen Wikingerzeit und dem modernen Mythos Wikinger. Gemeinsam mit einigen Kolleginnen und Kollegen durfte ich diese Thematik diskutieren.