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Am 1. November wurde das Wikinger Museum Haithabu 40 Jahre alt. Diesen Geburtstag haben wir nicht nur bei der jährlichen Herbstmesse am letzten Oktoberwochenende im Museum gefeiert, nun erschien eine Würdigung auch noch mit einer Reportage im 'Schleswig-Holstein Magazin' am 30.11.2025. Diese Reportage ist sicherlich einzigartig, da in ihr drei Generationen des Museums zu Wort kommen; Kurt Schietzel, Ausgräber von Haithabu und Gründer des Museums, Ute Drews, die das Museum in ihren 30 Jahren als Leiterin zu diesem erfolgreichen Vorzeigemuseum gemacht hat, und ich als aktueller Leiter.

Am kommenden Montag, dem 10.11.2025, darf ich an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Rahmen der Ringvorlesung "Der Norden und der Osten: Sprache, Literatur und Kultur im nördlichen Ostseeraum" eine Gastvorlesung zu dem Thema "Í austrvegi. Birka, Byzanz und die Ethnogenese der Kiewer Rus" halten.

Der Vortrag beginnt um 18 Uhr und findet hybrid im Audimax, Hörsaal K, Christian-Albrechts-Platz 2 in Kiel statt; eine Online-Teilnahme ist mittels Anmeldung per Mail >hier< möglich.

Am 10. September begann die voraussichtlich letzte Reise des berühmten Oseberg-Schiffes. Nach mehr als zehn Jahren Planung wurde das vermutlich schönste und am besten erhaltene Wikingerschiff der Welt aus dem alten Vikingskipshuset auf Bygdøy, Oslo, in die neuen Räumlichkeiten des angeschlossenen neuen Vikingtidsmuseet transportiert. Ein Video des Umzuges im Zeitraffer findet Ihr >hier<. In dem Erweiterungsbau, der sich ringförmig an das alte, 1926 errichtete und fast wie eine Kirche wirkende Museumsgebäude anschließt, soll voraussichtlich 2027 die größte und modernste Ausstellung zur Wikingerzeit sowie ein eigenes Forschungszentrum eröffnet werden.

Das Osebergschiff im Vikingskipshuset auf Bygdøy, Ende der 1920er Jahre.
© UiO – Museum of Cultural History, University of Oslo (CfO0856A); CC BY-SA 4.0

Das alte Vikingskipshuset wurde 1926 auf Betreiben des – zu dem Zeitpunkt allerdings tragischerweise bereits verstorbenen – schwedischen Archäologen und Ausgräber des Oseberg-Schiffes, Gabriel Gustafson, errichtet. Mit dem Oseberg-Schiff, dem Gokstad-Schiff und dem kleineren Schiff von Tune beherbergte das Vikingskipshuset die drei am besten erhaltenen und berühmtesten Wikingerschiffe (>hier< könnt Ihr einen letzten virtuellen Rundgang um das Oseberg-Schiff in der alten Ausstellung machen). Mehr zu Gabriel Gustafson, dem tragischen Pionier der schwedischen und norwegischen Archäologie und der ersten Reise des Oseberg-Schiffes nach Bygdøy vor genau 99 Jahren findet Ihr >hier< und einen Artikel von mir zu den beiden Schiffsgräbern von Gokstad und Oseberg könnt Ihr >hier< lesen.

Das benachbarte Gokstad-Schiff soll Anfang November folgen.

Mehr zum neuen Vikingtidsmuseet findet Ihr auf der Webseite der Universitetet i Oslo.

Etwa Sieben Kilometer nördlich des dänischen Aarhus, nahe des Dörfchens Lisbjerg, wurde vor wenige Wochen ein Gräberfeld der Wikingerzeit mit 30 Bestattungen entdeckt. Während das Knochenmaterial in den Gräbern bis auf wenige Fragmente und die Zähne weitestgehend vergangen war, enthielten einige Gräber reiche Beigaben, darunter auch eine in den 960er-Jahren in Haithabu geprägte Münze. Das Gräberfeld kann daher in die Zeit des berühmten dänischen Königs Harald Blauzahn in das späte 10. Jahrhundert datiert werden.

Nur wenige hundert Meter von dem Gräberfeld entfernt lag im 10. Jahrhundert der bereits seit den späten 1980er Jahren bekannte Hof Stormandsgården, der als Sitz einer lokalen Elite gedeutet wird. Die mit fast zwei Hektar Fläche beeindruckende Hofanlage war mit einer Palisade umzäunt und lag an der zentralen wikingerzeitlichen Wegstrecke, die aus dem nordöstlichen Jütland nach Aros, dem wikingerzeitlichen Vorläufer von Aarhus und eine der wichtigsten Siedlungen dieser Zeit in Dänemark, führte.

Die Funde in vielen Gräbern weisen darauf hin, dass Lisbjerg als Bestattungsplatz für den Elitensitz bei Stormandsgård gedient hat und dort die Angehörigen der herrschenden Familie beigesetzt wurden. Besonders deutlich zeigt dies ein kleines Eichenholzkästchen mit versilberte Metallbeschlägen und fein gearbeiteten Scharnieren und Verschluss aus einem Frauengrab. Röntgenaufnahmen zeigten, dass in dem Kästchen neben einer Fibel und einer silbernen Filigranperle auch Textilwerkzeug lag – eine Schere, eine Nadel und feiner Goldfaden für die Verzierung von Kleidung.

Die Funde von Lisbjerg sind ein weiteres, ebenso wichtiges wie spannendes Mosaikteilchen, das uns neues Wissen über das Hinterland der großen Siedlungen – Haithabu, Ribe, Jelling, Aros – und über das Netzwerk der Machtstrukturen im frühen dänischen Königreich liefert.

Vorletzte Woche hatte ich die Ehre und das große Vergnügen Gast und Interviewpartner in dem Videoblog 'Archaeodeath' von Prof. Howard Williams zu sein. Prof. Williams lehrt an der Universität Chester und ist sicherlich der Vorreiter in der Forschung zur 'burial archaeology', zum Umgang mit Tod und Bestattungen im europäischen Frühmittelalter. Darüber hinaus ist er enorm aktiv in der populären, medialen Vermittlung von Wissen zur Archäologie und zum Frühmittelalter. Ich schätze, dass kein anderer Wissenschaftler meine Forschung in den letzten Jahren so geprägt hat, wie er. Daher war es für mich ein persönliches Highlight, mit ihm über die Archäologie der Wikingerzeit, Gotland im Speziellen und auch das heutige populäre "Nachleben" der Wikinger, das 21st-Century-Viking-Age zu sprechen.

In der aktuellen Ausgabe widmet sich der Podcast von 'Terra X History' unter dem Titel "Wikinger – Mythos und Wahrheit" der skandinavischen Wikingerzeit und dem modernen Mythos Wikinger. Gemeinsam mit einigen Kolleginnen und Kollegen durfte ich diese Thematik diskutieren.

Alle Wikinger hießen Helga und Erik, Sven und Gudrid oder Inga und Björn? Wenn es um die Frage nach den Namen der Menschen aus der skandinavischen Wikingerzeit geht, fallen wohl meistens diese auch heute noch gebräuchlichen Vornamen.

Was aber wissen wir wirklich über die Namen der Menschen, die zwischen 800–1100 nach Christus in Skandinavien lebten, den Menschen, die wir verallgemeinernd als ‚Wikinger‘ bezeichnen? Die erste und wichtigste Quelle sind die über 3.000 derzeit bekannten Runensteine. Beinahe die Hälfte dieser Steine wurde in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts in der Provinz Uppland, nördlich der heutigen schwedischen Hauptstadt Stockholm, errichtet. Die Runensteine sind zumeist Denkmäler, die zur Erinnerung an Verstorbene errichtet worden sind. Zuweilen rühmten sich aber auch noch lebende Personen auf den Runensteinen ihrer Taten. Berühmtestes Beispiel ist sicherlich der große Runenstein von Jelling, auf dem sich der dänische König Harald Blauzahn als Reichseiniger und Vorkämpfer für das Christentum darstellte.

Die Inschriften auf den meisten der wikingerzeitlichen Runensteine sind nach einem immer wiederkehrenden Muster aufgebaut. Am Anfang stehen ein oder mehrere Personennamen, die den Runenstein für eine Person haben errichten lassen, oftmals den Bruder, Vater, Ehemann oder Sohn, manchmal auch die Mutter oder Ehefrau. Oft folgt darauf eine kurze Information zu den Todesumständen, wenn bspw. jemand auf Raubzug, im Kampf oder auf einer Handelsreise in ferne Länder gestorben war. Manchmal wird die Inschrift durch eine christliche Segensformel oder eine Nennung des Runenschreibers abgeschlossen.

Dadurch ist auf den Runensteinen eine große Anzahl wikingerzeitlicher Personennamen überliefert. Sicherlich sind diese Namen nicht zwangsläufig repräsentativ für die gesamte Wikingerzeit, denn sie spiegeln vor allem die Elite wider. Die häufigsten Namen sind uns dabei tatsächlich ziemlich vertraut: Sven (Svæinn), Björn (Bjǫrn), Thorsten (Þórstæinn), Ulf (Ulfr) oder auch Gunnar (Gunnarr) bei den Männern; Tora (Þóra), Asa (Ása), Inga oder Helga bei den Frauen. Viele der selteneren Namen sind heutzutage jedoch nicht mehr üblich; Männernamen wie Anundr, Tóki, Sigfastr oder Svarthǫfði und Frauennamen wie Guðlaug, Kætilví oder Fastlaug.

Vor wenigen Wochen hatte ich die große Ehre, im Studio von Grimfrost zu Gast zu sein und mit Johan Hegg - seines Zeichens Frontmann von Amon Amarth - über Reenactment, die Wikingerzeit und meine Forschung zu sprechen. Das Video-Interview ist nun als Folge 6 des Podcasts "Explore the Viking Age" von Grimfrost erschienen und bei Youtube zu sehen.

Auch der aktuelle Podcast von ZEIT Geschichte. Wie war das nochmal? widmet sich der Wikingerzeit und der vermutlich derzeit meist gestellten Frage: Gab es weibliche Krieger in der skandinavischen Wikingerzeit und welche Bedeutung hat dabei das ominöse Kammergrab Bj 581 aus Birka. Dazu wurde ich von den Redakteuren von ZEIT GEschichte befragt und herausgekommen ist ein ebenso anschaulicher wie gut recherchierter und teilweise auch sehr kritisch hinterfragender Podcast, den man sich >hier< anhören kann.

Das aktuelle Magazin von 'Zeit Geschichte: Wikinger' widmet sich ausführlich auf über 120 Seiten der Wikingerzeit. Mehr als 20 Beiträge, teilweise verfasst von international renommierten Fachleuten beleuchten unterschiedliche Aspekte dieser Epoche und auch für echte 'Wikinger-Kenner' findet sich noch die ein oder andere neue Information. Ich habe das Heft als Fachberater begleiten dürfen und mich in einem längeren Interview, das den Abschluss des Heftes bildet, mit den Redakteuren über die heutige Faszination für die Wikingerzeit unterhalten.