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Der Grabhügel von Gjellestad, Østfold, in Norwegen soll in den kommenden Monaten ausgegraben werden. In dem zerpflügten Hügel war 2018 durch das Ludwig Boltzmann Institut mittels Georadar ein weitestgehend erhaltenes, etwa 20 Meter langes Schiff entdeckt worden. Zudem konnten weitere sieben, bislang unbekannte Grabhügel und fünf Langhäuser nachgewiesen werden.

Darstellung des Schiffsgrabes von Gjellestad in den Daten des Georadar
© NIKU / LBI ArchPro

Die Öffnung des Grabes von Gjellestad wird die erste moderne Ausgrabung eines wikingerzeitlichen Schiffes sein und verspricht weitreichende neue Erkenntnisse über Schiffsbautechniken wie auch über Grabsitte der norwegischen Wikingerzeit. Notwendig geworden ist die Ausgrabung aufgrund von Pilzbefall, der die noch erhaltenen hölzernen Strukturen des Schiffes zerstören könnte.

Am Sonntag wurde ich für eine neue Folge von Terra X vor der beeindruckenden Kulisse des Felsenmeeres interviewt und durfte im Anschluss mit meinem guten Freund Martin noch ein paar Schilde vor der Kamera zerschmettern.

Vielen herzlichen Dank für den spannenden und lustigen Drehtag an Christian Stracke und das Team von Kelvinfilm!

© Christian Stracke
© Christian Stracke

Einige neue populärwissenschaftliche Artikel zu den Themen Körpermodifikationen inklusive Tätowierungen und Schädeldeformierungen bei den Wikingern sowie zu Katzen in der Wikingerzeit, die in der letzten Zeit in der 'Archäologie in Deutschland' erschienen sind, lassen sich nun hier auch online einsehen.

Eine jüngst im Journal of Ethnopharmacology veröffentlichte Studie postuliert auf Grundlage pharmakologischer Untersuchungen, dass der Kampfrausch der berühmten altnordischen Berserker nicht - wie bislang oft vermutet - durch Fliegenpilze verursacht wurde, sondern stattdessen durch ein bestimmtes Nachtschattengewächs, das Schwarze Bilsenkraut.

Berserker sind in der altnordischen Literatur furchteninflößende Krieger, die in einem Kampfrausch weder Schmerzen noch Angst fühlen. In der Skaldik des 9. und 10. Jh. sind diese Berserker anscheinend eine Art Elitekrieger im Gefolge des Königs, in der späteren altnordischen Sagaliteratur werden dagegen notorische Gewalttäter und Unruhestifter als Berserker bezeichnet.

Was tatsächlich hinter den legendären und mythenumsponnenen Berserkern der altnordischen Überlieferungen steckt, ist jedoch noch immer unklar: Waren es tatsächlich besondere Elitekrieger, die sich durch die Einnahme bestimmter Substanzen oder tranceartige Tänze in einen Kampfrausch versetzen konnten, bezieht sich der Begriff auf die Erinnerungen an germanische Krieger, die als Gladiatoren bei Tierhatzen in römischen Arenen gegen Bären kämpfen mussten oder handelt es sich schlicht um eine literarische Erfindung?

Die neue Studie belegt jedoch zumindest, dass in Nordeuropa zur Wikingerzeit mit dem Schwarzen Bilsenkraut eine Pflanze vorkam, die - in der richtigen Dosis verzehrt - zu einer Vergiftung führte, deren Symptome überraschend gut zu den Eigenschaften der legendären Berserker passen. Zudem ist Schwarzes Bilsenkraut in der Archäologie der Wikingerzeit absolut nicht unbekannt. In einem Grab im dänischen Fyrkat war eine offensichtlich sozial hochstehende Frau mit einer Reihe von ungewöhnlichen Grabbeigaben bestattet worden, darunter mehrere Amulette, ein eiserner Stab, der als Zauberstab gedeutet werden könnte sowie ein kleiner Beutel mit Samen von Schwarzem Bilsenkraut. Es ist immer viel Spekulation mit im Spiel, wenn aus Grabbeigaben die soziale Stellung oder Funktion des Bestatteten zu Lebzeiten herausgelesen werden soll, aber die merkwürdigen Grabbeigaben der Dame aus Fyrkat lassen es durchaus plausibel erscheinen, dass die Frau zu Lebzeiten ein 'ritual specialist' war, eine Priesterin, Wahrsagerin oder Hexe.

In der aktuellen Archäologie in Deutschland ist ein Artikel von Leszek Gardeła und mir erschienen, in dem wir Waffensymbole im wikinzerzeitlichen Frauenschmuck diskutieren.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift 'Archäologie in Deutschland' ist eine kurze Rezension zum Buch 'Die Wikinger. Entdecker und Eroberer' abgedruckt worden, die hier auch online eingesehen werden kann.

Heute Abend ab 20:15 Uhr wird auf ZDFinfo erstmals die erfolgreiche sechsteilige Dokumentationsreihe zu den Wikingern 'Viking Dead' in der deutschen Übersetzung ausgestrahlt, für die ich als wissenschaftlicher Fachberater tätig war.

Alle sechs Folgen, in denen es u.a. um die Grabschiffe von Salme in Estland oder das berühmte Oseberggrab geht, können bereits jetzt in der Mediathek des ZDF online abgerufen werden.