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Nun ist es offiziell, am 27.09.2019 erscheint im Ullstein Buchverlag das von mir herausgegebene und zu weiten Teilen verfasste Sachbuch 'Die Wikinger – Entdecker und Eroberer'.

Ursprünglich sollte das Buch von meinem Chef und ehemaligen Doktorvater Prof. Dr. Jörn Staecker geschrieben werden. Tragischerweise verstarb Prof. Staecker Ende letzten Jahres bevor wir mehr als nur ein erstes Konzept erstellen konnten. In Absprache mit dem Ullstein Buchverlag und Prof. Staeckers Familie habe ich es übernehmen dürfen, als Herausgeber dieses Buches zu fungieren und gemeinsam mit einer großen Anzahl führender Wissenschaftler die Wikingerzeit anhand neuester Funde und Forschungsergebnisse aus archäologischer Sicht zu präsentieren.

Ich bin dankbar und glücklich, mit diesem Buch das letzte große Projekt von Prof. Staecker und Vermächtnis einer lebenslangen Begeisterung für die Wikinger vollenden zu dürfen.

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Oder: Auch auf Naturwissenschaften ist nicht immer Verlass

Heute mal etwas aus der Bronzezeit, das jedoch auch Auswirkungen auf die aktuelle Forschung zu den Wikingern hat.

2015 hatten Forscher des dänischen Nationalmuseums in Kopenhagen ausgehend von Strontiumisotopenanalysen an der, als 'Mädchen von Egtved' bekannten, bronzezeitlichen Mumie die spektakuläre Entdeckung verkündet, dass die junge Frau erst kurz vor ihrem Tod nach Dänemark gekommen sei, aber vermutlich im Bereich des Schwarzwaldes in Süddeutschland geboren und aufgewachsen sei.

Dieser Befund wurde als weiterer Beweis für die enorm hohe individuelle Mobilität in der Vorgeschichte gefeiert.

Nun wurden diese Ergebnisse einer erneuten Analyse unterzogen, die zu gänzlich anderen Aussagen gelangt und das in der Archäologie zunehmend bedeutsame Werkzeug der Strontiumisotopenanalysen in ein kritisches Licht stellt.

Strontium (Sr) wird durch Niederschlag aus dem Gestein ausgewaschen und gelangt so über Grundwasser, Pflanzen und tierische Nahrung in den Körper jedes Menschen, wo es sich in Knochen und Zähnen ablagert. Da die Isotopenzusammensetzung von Strontium regional leichte Abweichungen aufweist, ermöglicht eine Analyse dieser sogenannten Sr-Isotopensignatur Rückschlüsse darauf, wo ein Mensch aufgewachsen ein - so die Kurzzusammenfassung.

Allerdings ist diese Signatur lange nicht so eindeutig, wie es sich die Archäologie wünschen würde, sondern zeigt manchmal nur grobe Trends auf und erlaubt mitunter auch keine wirklich hilfreiche Zuordnung. So ist bspw. die geologische Sr-Signatur von Gotland und Südschweden nahezu identisch.

Im Falle des Mädchens von Egtved - um auf die neuen Ergebnisse zurückzukommen - zeigt sich noch ein weiterer problematischer Faktor, nämlich die Einwirkung neuzeitlicher Landwirtschaft. Durch die Verwendung von kalkhaltigen Dünger hatte sich die geologische Sr-Signatur in der Umgebung des Grabes von Egtved, die man als Referenz für die lokale Sr-Signatur im mittleren Jütland herangezogen hatte, so stark verändert, dass sie sich deutlich von der Signatur des Strontiums unterschied, das sich in Knochen und Zähnen des Mädchens von Egtved abgelagert hatte.

Neue Untersuchungen in landwirtschaftlich nicht genutzten Gegenden um Egtved herum ergaben im Kontrast dazu eine Sr-Signatur, die ziemlich genau den Werten des Mädchens von Egtved entspricht. Rein theoretisch kann ausgehend von den Sr-Analysen eine Herkunft des Mädchens aus dem Schwarzwald noch immer möglich sein - der Schwarzwald wie auch das mittlere Jütland um Egtved herum weisen eine nahezu identische Sr-Signatur auf - aber eine Herkunft des Mädchens aus Dänemark kann als sicher angenommen werden.

Dieser Befund zeigt deutlich auf, dass die Archäologie auch die neuen naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden nicht ohne jede Vorsicht als Wundermittel wahrnehmen sollte und noch viel Forschung im besten Sinne von 'trial and error' notwendig ist, um solche Faktoren berücksichtigen zu können.