Nahe der Ruinen des alten Königssitzes in der Altstadt von Oslo sind Archäologen bereits 2023 auf die Überreste eines wikingerzeitlichen Schiffsgrabes gestoßen, wie nun vor wenigen Wochen bekannt gegeben wurde. Der Fund ist insofern bedeutend, als dass er die bisherige Geschichte der norwegischen Hauptstadt Oslo in Frage stellt.
Bislang war man davon ausgegangen, dass Oslo als Stadt durch den norwegischen König Haraldr harðráði (Harald der Harte, 1015–1066 n. Chr.) in den 1040er Jahren gegründet worden sei. Als Belege dafür galten unter König Harald geprägte Münzen, die in den 1960er Jahren bei Grabungen unter der königlichen Residenz des 13. Jh. gefunden wurden. In jüngerer Zeit waren bei Ausgrabungen im Altstadtbereich von Oslo bereits vereinzelt Funde gemacht worden, die eine erste Siedlung bereits in der ersten Hälfte des 11. Jh. möglich erschienen ließen. Bei den Ausgrabungen 2023 stießen die Archäologen nun aber auf Funde aus dem 6.–8. Jh., die nahelegen, dass Oslo auf eine deutlich ältere Siedlung zurückgeht, als bislang gedacht. Besonders interessant aber ist der Fund eines Schiffsgrabes unter der königlichen Residenz. Über einem Grabschiff (oder ausgehend von der Form und Größe der Nieten möglicherweise sogar mehreren Grabschiffen) war ein Grabhügel von etwa 25 Meter Durchmesser errichtet worden, der über 14C-Datierungen auf das Ende des 9. oder den Beginn des 10. Jh. datiert werden kann. Der Fund des Schiffsgrabes legt nahe, dass die Gegend von Oslo bereits lange vor der offiziellen Gründung der Stadt durch König Harald in der Mitte des 11. Jh. ein wichtiges Zentrum der lokalen Eliten war, die durch die Bestattung einer bedeutenden Person und die Errichtung eines weithin sichtbaren Grabhügels an dieser Stelle ihre Macht zur Schau stellen wollten. Möglicherweise liegt genau darin der Grund, warum Harald diese Stelle für seine neue Stadt auswählte. Und es ist sicherlich kein Zufall, dass die königliche Residenz genau über dem Schiffsgrab errichtet wurde.

