Während der arabische Diplomat Ahmad Ibn Fadlan den Rus – Händlern und Söldnern aus Skandinavien – mangelnde Körperhygiene unterstellte und sie als „die schmutzigsten von Gottes Kreaturen“ titulierte, zeichnete der im 13. Jahrhundert lebende englische Chronist John of Wallingford unter Berufung auf ältere Quellen ein gänzlich anderes Bild. Die im angelsächsischen England lebenden Dänen hätten sich der neuesten Mode folgend gekleidet, regelmäßig frische Kleidung angezogen, sich täglich Haar und Bart gekämmt und jeden Samstag ein Bad genommen, sehr zum Ärger der englischen Männer, deren Frauen sich von den so Gepflegten verführen ließen. Die altnordische Sitte des samstäglichen Bades hat sich mit der Bezeichnung eines Wochentages bis in die heutige Zeit erhalten: In den skandinavischen Sprachen heißt der Samstag noch immer lördag/lørdag, vom altnordischen laugardagr (‚Waschtag‘).
Die archäologischen Funde weisen darauf hin, dass der Bericht von John of Wallingford trotz der zeitlichen Diskrepanz zuverlässiger zu sein scheint, als die zeitgenössische, aber offensichtlich tendenziöse Überlieferung von Ibn Fadlan. Zwar zeigen viele der untersuchten Skelette aus der skandinavischen Wikingerzeit neben Spuren von Mangelernährung auch Hinweise auf Infektionserkrankungen auf, die mitunter durch mangelnde Hygiene bedingt sein können, aber die langen Schiffsreisen wären ohne eine gewisse Grundhygiene gar nicht vorstellbar gewesen. Körper- und Ernährungshygiene war essenziell, um das Auftreten von Infektionserkrankungen zu vermeiden. Archäologisch wurden vereinzelt kleine Gebäude bei größeren Hofanlagen nachgewiesen, die vermutlich als Schwitzbäder fungiert haben. Ein regelrechtes Badewesen ist für das wikingerzeitliche Island belegt, dort werden noch bis heute die vulkanisch bedingten heißen Quellen als Badeplätze verwendet. Das für den isländischen Skalden und Politiker Snorri Sturluson im 13. Jahrhundert erbaute Bad, die Snorralaug, auf seinem Hof in Reykholt existiert noch immer. Auch die häufigen Funde von aufwändig verzierten und teilweise mit schützenden Futteralen versehenden Kämmen in Frauen- wie auch Männergräbern belegen deutlich, dass ein gepflegtes Äußeres für die Menschen der skandinavischen Wikingerzeit wichtig war. Ähnliches gilt auch für sogenanntes Toilettenbesteck, bestehend aus zumeist bronzenen kleinen Ohrlöffeln, die zum Säubern der Ohren oder für Salben verwendet wurden, Pfriemen oder Nadeln – mitunter als Zahnstocher genutzt – und Pinzetten, die an einem kleinen Ring befestigt an der Tracht oder in Beuteln getragen und zur Körperpflege verwendet wurden.


