Springe zum Inhalt

Zum Internationalen Frauentag – zwei große Frauenfiguren der Archäologie

Anlässlich des heutigen internationalen Frauentages möchte ich gerne zwei große Pionierinnen unseres Faches vorstellen, welche die Archäologie maßgeblich geprägt haben.

Johanna Mestorf, die erste Professorin Preußens

Beginnen möchte ich mit Johanna Mestorf (geb. 17.04.1828 in Bramstedt, Schleswig-Holstein, gest. 20.07.1909 in Kiel), einer der ersten Frauen in der prähistorischen Archäologie und der ersten Frau in Deutschland, die den Titel ‚Professor‘ verliehen bekam.

Johanna Mestorf, Foto von 1909.
© Gemeinfrei

Johanna Mestorf begann bereits früh damit, sich neben ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit umfassende archäologische Fachkenntnisse anzulesen und übersetzte wichtige skandinavische Publikationen zur Archäologie ins Deutsche. Neben den klassischen Bildungssprachen wie Französisch und Italienisch sprach sie in Folge eines längeren Aufenthaltes in Schweden auch Dänisch, Norwegisch und Schwedisch. Darüber hinaus verfasste sie eine große Menge an Aufsätzen zu verschiedenen archäologischen Themen.

Ab 1868 arbeitete sie, zuerst ehrenamtlich, dann ab 1873 als Kustodin und schließlich ab 1891 als Direktorin am Kieler Museum vaterländischer Alterthümer, dem Vorgänger der heutigen Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf‘ und des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Kieler Universität. In Folge ihrer wegweisenden Arbeit für die prähistorische Archäologie wurde ihr 1899 von Kaiser Wilhelm II. der Titel als Professor verliehen – eine kaum hoch genug einzuschätzende Würdigung ihrer Leistungen: Frauen durften zu dieser Zeit eigentlich noch gar nicht studieren und erst zwanzig Jahre später das Recht erhielten, zu habilitieren.

Mehr zu Johanna Mestorf gibt es hier:

Dagmar Unverhau: Ein anderes Frauenleben. Johanna Mestorf (1828–1909) und "ihr" Museum vaterländischer Altertümer bei der Universität Kiel. 3 Bände. Kiel: Wachholtz 2015.

Julia K. Koch & Eva-Maria Mertens (Hrsg.): Eine Dame zwischen 500 Herren. Johanna Mestorf – Werk und Wirkung (= Frauen – Forschung – Archäologie Band 4). Münster: Waxmann 2002.

Greta Arwidsson – 'Forngreta' und die Grundlagen der modernen wikingerzeitlichen Archäologie

Die zweite große Pionierin der Archäologie war die Schwedin Greta Arwidsson (geb. 05.07.1906 in Uppsala, gest. 31.01.1998 in Stockholm), deren Forschung für die wikingerzeitliche Archäologie von unermesslichem Wert ist.

Greta Arwidsson (rechts) und Holger Arbman 1943 bei der Ausgrabung der Garnison von Birka.
© ATA/RAÄ

Greta Arwidsson wuchs in einer wissenschaftlich interessierten Familie auf, beide Eltern waren für das Nordiska Museet, das kulturgeschichtliche Museum in Stockholm, tätig. Sie begann 1924 ein Studium an der renommierten Universität in Uppsala und belegte dabei auch Kurse in ‚Nordischer Archäologie‘ bei Prof. Sune Lindqvist. Unter dessen Leitung nahm sie an der Ausgrabung der Bootsgräber von Valsgärde teil, über die sie 1942 promovierte. Nach ihrem Studium arbeitete sie erst am Gustavianum, der Sammlung der Universität Uppsala, am Statens Historiska Museum in Stockholm sowie als Dozentin an der Universität Uppsala.

Nach dem Krieg wurde sie landsantikvarie (etwa leitender Bodendenkmalpfleger) auf Gotland – als erste Frau, die in Schweden eine Stelle als landsantikvarie erhielt – und Leiterin des Museums Gotlands Fornsal, ein Karriereschritt, der ihren Ruf nachhaltig prägte. In ihren zehn Jahre auf Gotland setzte sie sich, zumeist unterwegs auf einem Fahrrad, so unermüdlich für die lokale Archäologie ein, dass sie von den Einheimischen nur Forngreta (‚Altertums-Greta‘) genannt wurde (und ich durfte selbst bereits mehrfach mit der hervorragenden Dokumentation aus ihrer Hand arbeiten). 1956 wurde sie – als erste Frau in Schweden – in Nachfolge von Mats P. Malmer zur Professorin für ‚Nordische und vergleichende Archäologie‘ an der Universität Stockholm ernannt.

Greta Arwidsson ist untrennbar mit der schwedischen Archäologie verbunden. Ihre Publikationen zu den Ausgrabungen in Valsgärde und Birka bilden das Rückgrat der Erforschung der Wikingerzeit und sie hat mit der Einrichtung des Osteologiska forskningslaboratoriet (dem anthropologischen Forschungslabor) und des Arkeologiska forskningslaboratoriet (dem archäologischen Forschungslabor) das archäologische Institut der Universität Stockholm bis heute maßgeblich geprägt.

Zu Greta Arwisson gibt es eine neue Biographie, geschrieben von ihrer langjährigen Freundin, der Archäologin Prof. Birgit Arrhenius:

Birgit Arrhenius: Forngreta. en biografi om Greta Arwidsson, den första kvinnan som blev landsantikvarie och professor i arkeologi. Stockholm: Bokförlaget Langenskiöld 2019.